Texte

Künstler Navigation


 

Weihnachten steht vor der Türe.Ich auch.Ich habe keinen Schlüssel.Aber einen Sack voll mit Geschenken. Die habe ich mir bei NORMA selbst genommen. Erst habe ich draußen so einen versoff enen Penner mit einer Flasche selbsgebranntem Fusel ins Delirium getrieben, Ging schnell. Und dann zu NORMA reingeschubst weil ich genau wußte daß er denen da drinnen jetzt tierisch die Bude vollkotzen wird. Was er auch spontan tat. Mitten auf die bedauernswerte Kassiererin die sich daraufhin ebenfalls ad hoc aufs Band übergab. Das munter weiterlief mit Kartoffeln und Zucker drauf und Kinderschokolade. Es gab einen unglaublichen Aufstand von allen Seiten. Ich packte derweil in Ruhe meine Reisetasche voll mit bereits erwähnten Geschenken. Was mir eher Bewunderung als Abscheu einbrachte Wie ich da so seelenruhig Salami und Käse und Butter und Lachsund alles mögliche andere einpacken konnte wo doch der ganze Schuppen bestialisch nach Kotze stank. Nun ja," hart sein ehe man hart wird" sage ich mir da immer. Und nun stehe ich da und komme nicht rein in meine Hütte. Was für ein Dreck. Weihnachten steht direkt hinter mir und wir trampeln uns munter was auf den Füßen herum. Mir wird schon noch etwas einfallen . Bis dahin esse ich schon mal die Ölsardinen auf Öl ist gut fürs Gehirn sagte meine Oma immer. Deshalb suchte sie ihre Urlaubsorte auch immer nach den aktuellsten ölverseuchten Küsten aus. So durch die schwarzverklebten Strände wandern mit dem ganzen verreckenden Viehzeuchs drin war für sie die beste Erholung. Sie kam dann wirklich immer topfit zurück.Mit rosigen Wangen und leuchtenden Augen. Vor mir imaginäre ölverseuchte Strände mit Oma mittendrin als stahlend sauberer Wandervogel und hinter mir den Weihnachtsmann im Nacken. Und keine Zigaretten dabei. Aber drinnen in der.Wohnung liegen welche. Mir reichts. Scheiß drauf Ich trete beherzt die Türe ein und im gleichen Moment erinnere ich mich daran doch keine Zigaretten da zu haben und daß ein Loch in meiner Manteltasche ist und der Schlüssel munter im Saum baumelt. Das frustriert mich. Und zwar ungemein. Die Reparatur der Türe wird so 200 Eier kosten und einer muß dafür zahlen. Wieso bloß immer nur ich? Sehe ich garnicht ein. Ich nehme mein abgesägtes Luftgewehr aus dem Schrank, reiße das Fenster auf und knalle peng peng peng einen Rentner ab der grade unten vorbeigeht. Oder eher vorbeiging. Ich renne sofort runter. Tue so als ob ich erste Hilfe leiste und durchsuche im Affentempo seine Taschen. Keine Kippen drin, die Sau. Ichtrete nochmal kurz in ihn rein. Wär nicht nötig gewesen. Der Schuß hat gesessen. Aber Abschiednehmen muß sein. Ich gehe wieder hoch in meine Sozialwohnung ‚ brate mir einen strammen Max und mach die Glotze an. Nix drin. Was soll´s. Besser als auf die Rauhfaser glotzen. Ich könnte mir einen runterholen. Aber vorher gehe ich noch mal aufs Klo. Es klopft an der Türe. Klar, Weihnachten.

 


 

HIRNANGELN ODER DIE SCHLINGENWARE

Gedanken eines wartenden in einem modernen Bürovorzimmer

Der Raum ist mit ockerfarbener Schlingenware ausgelegt Nein ‚ hier ist nicht die Gebrauchswarenabteilung für Selbstmörder Oder ?

Welcher Raum wäre das nicht.

Selbst mit rohen Eiern kann man sich umbringen ‚ die Menge macht es . Man muß sie nur hastig genug aufschlagen und hintereinander verschlingen.

Schlingenware.

Aus ockerfarbenem Nylonrnaterial Sieht ein wenig aus wie Wüstensand Nur ein wenig . Um realistisch zu bleiben.

Denke ich ‚ der Boden ist wie tausend Quadratmeter Wüstensand wäre das nichts anderes als heillose Spinnerei.

Sand gibt es hier auch garnicht ‚ sondern Staubsauger Korn für Korn wird weggeschlürft.

Haha ‚ da lacht das Herz des Alkoholikers ‚ und hoho ‚ der elektrisch stöhnende Wohnzimmerkobold Blaue Usambaraveilchen stehen auf der Fensterbank Die Räumlichkeit hebt ihre mauernen Schranken Blumen blühen.

Russischer Wein rankt in einer Zimmerecke und die Schlingenware ist wie festgetretener Wüstensand über den kein Lufthauch weht.